Das Kinderspiel ist doch kein Kinderspiel!
Kinder spielen um sich zu beschäftigen und um uns Freiräume zu schaffen in denen sie uns nicht auf die Nerven gehen, oder? ;o) Nein, darum tun sie es sicherlich nicht!
Kinder spielen, weil sie es einfach von Innen heraus müssen!
Durch ihr Spiel wachsen sie langsam in die „Welt der Großen“ hinein. Sie erproben das Erwachsensein und zwar so, wie wir es ihnen vorleben.
Kinder lieben es uns möglichst genau nachzuspielen.
Wenn wir selbst lieber vor dem Fernseher sitzen, als spazieren zu gehen, wird es uns das Kind gleich tun. Wenn wir selbst rauchen und Alkohol vor den Kinder zu uns nehmen, müssen wir uns doch nicht wundern, wenn Kinder es als selbstverständlich ansehen, dass ein gestresster Papa regelmäßig
ein Bier zur Entspannung braucht! Oder ein Jugendlicher schon mit 13 Jahren zur Zigarette greift, weil es in seinen Augen völlig normal ist als „erwachsener Mensch“ zu rauchen. Wenn wir also „Disziplin“ in welcher Art auch immer von unseren Kindern verlangen, aber selbst keine haben, was nützen dann überhaupt die Ermahnungen oder Überredungskünste?
Kinder lernen von guten und schlechten Vorbildern gleichermaßen. Es ist also seh wichtig, wie wir uns gegenüber unseren Kindern präsentieren und verhalten.
„Kinder sind wie kleine Schwämme, sie saugen eben alles auf und geben das einmal Aufgesaugte nur schwer wieder ab!“ Wie schwierig es ist von schlechten Angewohnheiten zulassen, dürfte wohl jeden bekannt sein. Man denke nur an die alljährlichen guten Vorsätze für das kommende Jahr!
Machen wir uns also den Wunsch des Kindes, es seinen Vorbildern gleich zu tun, im positiven Sinne zu nutzen:
1) In dem wir unserem Kleinkind ein positives „heile Weltbild“ vermitteln in dem es sich angenommen, geborgen und aufgehoben weiß. (z.B. durch fest im Alltag verankerte Rituale. Denn gerade Rituale sorgen in unserem oft unruhigen Alltagsgeschehen für die nötige Sicherheit und Stabilität innerhalb und außerhalb der Familie. Dazu mehr in: Die Kraft der Rituale)
2) In dem wir ihm positive Werte und Vorstellungen durch aktives Vorleben vermitteln.
3) In dem wir ihm altersgerechtes, ausgewähltes Spielmaterial und Spielanregungen zu Verfügung stellen und ihm so den nötigen geistigen, körperlichen und seelischen Freiraum für seine Entwicklung geben. Und ihm so kindgerechtes Spielen zu ermöglichen.
Spielen und Spielzeug ist weit mehr, als nur eine Sache des Zeitvertreibs.
Kinder haben oft eine lebhafte Phantasie und ein starkes Bedürfnis zu spielen. Bevorzugen sie doch dazu gern irgendein für uns nutzlosen oder gar hässlichen alten, unbrauchbaren "Krempel". Interessanter Weise können sie aber gerade damit oder grade dadurch ein wundervolles Spiel entwickeln. So wie es mir mein Sohn vor einigen Jahren eindrucksvoll zeigte. Ich kam damals gerade von der Arbeit heim und ärgerte mich maßlos über eine für mich sinnlose Unordnung, die ich in der Wohnung vorfand. Überall lagen ohne einen erkennbaren Grund kleine und größere Zeitungspapierknuddelhäufchen in den Zimmern verteilt. Ich sammelte alle Zeitunghäufchen kurzentschlossen ein und warf sie in den Altpapierkorb. Danach widmete ich mich dem Abendessen, als bald darauf ein Wutgeschrei anhob und ich die wüsten Beschimpfungen meines 3jährigen Sohnes hinnehmen musste. Ich begriff erst nach und nach, was ich in seinen Augen angerichtet hatte. Ich hatte all seine Feuerstellen, die er so mühselig errichtet hatte, allesamt einfach eingesammelt und entsorgt. Aber er wollte diese doch unbedingt mit seinem Feuerwehrauto löschen. Du siehst also,…
Kinder können eben mit den einfachsten Mitteln abenteuerliches erfinden.
Aber warum bevorzugen Kinder überhaupt solchen "Krempel" bzw. einfaches Spielmaterial? Anstatt ihr schönes "perfektes" Spielzeug aus dem Spielwarenhandel? Nun, es liegt wohl daran, dass gerade diese "perfekten" Spielmaterialen kaum eigene Phantasie und freie Spielgestaltung zulassen. Nur sehr wenig davon ist flexibel. Selbst Lego, Fischertechnik und Co, geben unseren Kindern die Spielregel vor. Noch dazu, ist vieles aus Plastik mit neutralen Eigenschaften, wie z.B. der Geruch oder der Geschmack. (Ist Dir im Übrigen schon einmal Bewusst aufgefallen, dass fast alle Plastikspielsachen dieselben Farbtöne haben? Vergleiche einmal einen roten Legostein mit einer roten Plastiksandschaufel, lediglich die Form ist eine andere, alle anderen Eigenschaften sind nahezu gleich.) Wenn also unsere Kinder lediglich das Material Plastik in allen Variationen in ihren Kinderzimmer wieder finden, wie sollen sie dann die unterschiedlichen Eigenschaften von Materialien kennen lernen?! Sie werden in der logischen Konsequenz, ihre Spielsachen vernachlässigen und sich lieber dem "Krempel" zuwenden. Denn dieser spricht ihre Sinne in vielfältiger Weise an.
Warum also natürliche Spielmaterialien verwenden?
Holz, Metall, Stein, Glas, Stoff, Wachs, Papier & Wolle um nur einige Beispiele zu nennen, haben die verschiedensten Eigenschaften und Eigenheiten wie Geruch, Geschmack, Oberflächenstruktur, Farbe u.s.w .. Spielzeug das aus natürlichen Materialien hergestellt wurde spricht somit alle Sinne im Kind an und greift dabei die ganz natürliche Neigung nach dem sinnlichen "Begreifenwollen" auf und befriedigt sie gleichsam. Es macht also Sinn, das Spielzeug ganz bewusst nach seinen Eigenschaften auszusuchen und dem Kind gezielt anzubieten um seine Sinne sinnvoll zu schulen und zu fördern.
Über den (Un)Sinn vonelektronischen Spielsachen
Warum viele Familien gern elektronische Spielsachen für ihre Kinder kaufen, ist bei so manchen angebotenen Elektrospielschrott nicht wirklich nachzuvollziehen. Zugegeben, so das ein oder andere Spielzeug wie z.B. ein fliegender kleiner Helikopter oder ein ferngesteuertes Auto für die älteren Kinder hat sicher seine Reize. Warum allerdings schon kleine Babys und Kleinkinder damit zugemüllt werden müssen, ist mir persönlich ein echtes Rätsel? Zum Einen scheint es oft die Gedankenlosigkeit des Schenkenden (bzw. seine Unwissen über kindliche Bedürfnisse) und zum Anderen der gute Gedanke dem Kind etwas Lehrreiches zuschenken, ohne zu wissen, dass diese dem Lernen eher hinderlich sind, als das sie dem Lernen nützen!
Dazu ein kleines Beispiel:
Mein Sohn bekam zu seinen 2ten Geburtstag eine sprechende Plastiktrommel geschenkt. Dieses Ding konnte Zählen, das ABC Buchstabieren, ein Trommelgeräusch erzeugen und vorprogrammierte Lieder abspielen. Es gab für die Lautstärkereglung nur die Möglichkeiten ganz laut oder leise. Diese Trommel konnte man im ausgeschalteten Zustand für nichts weiter gebrauchen, da sie dann kein Trommelgeräusch von sich gab. Des Weiteren hatte sie noch einen ganz entschiedenen Fehler, sie wollte eine Lerntrommel sein. Was bedeutet, dass sie immer wenn mein Sohn mit ihr spielte, sie ihn für seine Trommelaktionen lobte oder ihn zum weiterspielen aufforderte, wenn es eine längere Pause zwischen den Schlägen gab. Am Anfang jauchzte mein Sohn über dieses schöne Ding, doch schon nach einiger Zeit fing es an ihn zu langweilen und er begann sie unsanft auf den Boden zuwerfen und siehe da, die Trommelstimme sagte dann mit eine freundlichen Frauenstimme: "Sehr gut, das hast Du toll gemacht, mach weiter so!" --- Ich denke der vermeintlich positive Lerneffekt, ging damit voll nach hinten los. Mit einer echten Trommel wäre mein Sohn sicherlich besser bedient gewesen. Denn diese wäre in der logischen Konsequenz, bei einer solch rabiaten Behandlung kaputt gegangen und hätte ihn nicht noch für seine Tat verbal belohnt. Natürlich, es hätte dann sicher Tränen gegeben, aber er hätte auch dabei gelernt, dass man mit Musikinstrumenten pfleglich umgehen muss.
Und noch ein weiteres Beispiel für so genanntes Lernspielzeug:
Mein Sohn bekam von einem Verwanden zu Weihnachten, in bester Absicht natürlich, einen kleinen Lerncomputer geschenkt. Mit diesem konnte er das ABC, Farben und Formen erlernen. Einen Lautstärkeregler gab es nicht und die Frauenstimme die aus dem schlechten Lautsprecher dröhnte, sprach die Worte und Zahlen sehr unverständlich aus. So das allein das Zuhören schon Nerven kostete. Die Musik und Begleittöne waren so schrill, dass es einfach keinen Spaß machte mit dem Ding zu spielen. Mein Sohn war nach nur einem Spiel so genervt und frustriert, dass der Lerncomputer in die Ecke geworfen wurde. Inzwischen haben wir die Batterien entfernt, das Ding dient nun als Spielcomputer in der Puppenecke. Uns siehe da, es ist ein unentbehrliches Puppeneckenutensil geworden. Es geht eben besser ohne elektronischen Schnick Schnack :o) ....Also Finger weg von solch unsinnigen Elektrospielzeug, es ist völlig Sinnlos
Sinne spielerisch fördern - Heute wichtiger denn je!
Unsere einzelnen Sinne lassen sich auf ganz spielerische Art und Weise fördern. (Wissenswerte Einzelheiten über unsere Sinne erfährst Du hier: Die 12 Sinne.) Leider gibt es immer mehr Kinder die Verhaltensauffällig sind und darunter meist sehr leiden. Oft sind es unterentwickelte oder gestörte Sinneswahrnehmungen die sich dahinter verbergen. Darum ist es in unserer heutigen Welt sehr wichtig geworden, unsere Kinder wieder mit ihren Sinnen intensiver vertraut zu machen und diese durch ein gezieltes Spielangebot zu schulen und zu fördern. Auf der nächsten Seite findest du einige Anregungen und Vorschläge, wie man die 12 Sinne gezielt fördern kann.
(Autor: Sabine Hirnich )
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