Der Gedankensinn

Drucken  Seite drucken

Ich denke, also bin ich

Umgangssprachlich haben Gedanken mit dem Denken zu tun und weniger mit einer Sinneswahrnehmung. Ähnlich wie bei dem Wortsinn/-verständnis, haben wir darum mit der Akzeptanz eines Gedankensinns unsere Mühe. Das Verständnis vom Wort- und Gedankensinn sind miteinander eng verbunden, so kann hinter einem Wort eine ganze Reihe von Gedanken stehen. Gedanken zu haben, setzt eine Grundlage des Wortverständnisses voraus. Zudem müssen sich auch alle die anderen Sinne schon so weit gefestigt haben, dass sie im Unterbewussten ablaufen. Sonst, können wir die Idee bzw. dem Gedanken der hinter dem Wort verborgen ist nicht wahrnehmen. So ist Sprache unweigerlich mit dem Gedankensinn verbunden. Doch gehen Gedanken weit über das gesprochene oder gehörte Wort hinaus. Ein schönes Beispiel dafür ist die Kunst der Pantomime. So kann uns ein Pantomimedarsteller in wundervoller Weise das Wort „Freude“ vermitteln, ohne ein Wort dabei sprechen zu müssen. Diese Körpersprache wird von allen Menschen gleich verstanden, wenn auch jeder mit dieser Darstellung andere Erfahrungen und Gedanken verbindet.


Der Gedankensinn:

öffne Grafik

*Bitte klicken Sie zur Vergrößerung auf das Bild* 


Schon früh in der Kindheit üben wir die beiden oben genannten Sinne ein. So ist für den Spracherwerb und das damit verbundene Wortverständnis eine rege Kommunikation von großer Bedeutung. Kinder die die Möglichkeit bekommen viel mit „realen“ Personen, also den Eltern, Geschwistern etc. zusprechen oder sie ihnen zu zuhören (Vorlesen, Singen…) können, besitzen ein sehr viel besseres Wortverständnis und eine höhere Denkfähigkeit, als Kinder die sich selbstüberlassen werden und die wärmende Zuwendung von gesprochenen Worten missen müssen. Wer meint dass diese wichtige Kommunikation, wie das Vorlesen oder Singen von einem Mediengerät aufgefangen werden könnte irrt sich. Die Forschung bestätigt es, immer mehr Kinder die ihre Zeit stundenlang vor dem Fernseher, PC oder dem Kassettenrecorder allein verbringen (müssen), entwickeln sehr viel häufiger Sprach- und Wortverständnisstörungen. Ihnen fehlt die geistige Ansprache, die Kommunikation, die sich auch auf die Gefühlempfindungen eines Kindes positiv auswirken.
Der Erweb des Gedanken- und Wortsinnes ist eng verbunden mit den motorischen Entwicklungen. So ist Eltern und Kinderärzten die Tatsache vertraut, dass unsere Kleinen, die sehr früh zusprechen beginnen eher später laufen lernen, wie umgekehrt. Das Krabbelalter so scheint es, ist mit dem Wortverständnis eng verbunden. Legastheniker haben im Kindesalter oft das Krabbeln, als einen wichtigen Entwicklungsschritt, übersprungen oder ausgelassen.
So ist das Laufen dem Gedankensinn verbunden. (Wir erinnern uns daran, dass der Gleichgewichtssinn die Voraussetzung bildet, den Standpunkt eines anderen wahrzunehmen.) Das „Fragealter“ das etwa im 2ten Lebensjahr einsetzt, kann ein Hinweis auf den sich entwickelnden Gedankensinn sein. Ein Kleinkind das uns nach dem „Warum“ fragt, tut dies nicht weil es die Antwort schon darauf kennt, sondern weil es sich mit seiner Umwelt gedanklich auseinander setzt, weil ihm ein Gedanke gekommen ist der noch offen im Raum steht.


Wozu uns der Gedankensinn befähigt:

öffne Grafik

*Bitte klicken Sie zur Vergrößerung auf das Bild* 


Geisteswissenschaftlich ordnet Steiner dem Gedankensinn die Inspiration (von lat.: inspiratio = Beseelung, Einhauchen von Leben, Ausstattung mit Geist) zu. Die Offenbarung eines geistigen Gedanken, dem unmittelbar eine Handlung folgen kann.


Was den Gedankensinn fördert:

öffne Grafik

*Bitte klicken Sie zur Vergrößerung auf das Bild* 


  zurück zu : "  Wortsinn  "

  weiter zu : "  Ichsinn  "


Verwandte Literatur:

• Dr. Bernhard Ulrich, 02.2000 "Die Sinne als Tor zur Welt",
  URL: http://www.zufruehinsleben.de/html/infos/sinne/sozial.htm [Stand: 08.08.2009]

 

zum Seitenanfang


Artikel herunterladen:

Der Gedankensinn   (176 KB)

(Zum Öffnen der Datei benötigst Du einen Adobe Reader)